BME-Hauptgeschäftsführer sieht den Wald vor lauter Bäumen nicht und liefert Argumente für die nächste politische Preiserhöhungsrunde im Straßengüterverkehr

17.11.06

BGL. Frankfurt/M. - Es ist legitim, wenn Verladerverbände ihre Klientel darin bestärken, Preisforderungen der Marktgegenseite zu relativieren und auf ihre Substanz zu überprüfen. Unbestritten ist aber auch, dass allein die Lkw-Maut und die Kraftstoffpreisrallye in den letzten 2 Jahren das Kostenniveau im Transportgewerbe zwischen 15 und 20 % nach oben getrieben hat. Hinzu kommen jetzt neue Lenk- und Ruhezeitvorschriften, die ebenfalls Mehrkosten bis zu 10 % verursachen werden. Wenn Verladervertreter bei diesen immensen, nur über Preiskorrekturen abzudeckende Kostensteigerungen die Kalkulation auf den Prüfstand stellen, ist dies nachvollziehbar, ändert aber nichts an den Realitäten.

Kontraproduktiv wird dieses Anliegen allerdings, wenn der Hauptgeschäftsführer des BME zum Zweck des Preispokers erklärt, seine Mitglieder erwögen aufgrund von Preiserhöhungen ein Umsteigen auf Bahn und Binnenschiff. Weiß er nicht, dass er damit das Geschäft der Verkehrsideologen betreibt? Schließlich wird aus dieser Ecke schon immer behauptet, man müsse den Straßengüterverkehr nur teuerer machen, um die so genannten umweltfreundlicheren Verkehrsträger besser ins Geschäft zu bringen.

Zumindest den BME-Mitgliedern dürfte es nicht entgangen sein, dass die Verkehrsträgerwahl eben keine vordergründige "Preisfrage" ist. Wie das Gutachten des renommierten Eisenbahnberatungsunternehmen TransCare im letzten Jahr belegt, sind nur knapp 1 % der Straßengütertonnage über den Preis auf andere Verkehrsträger zu verlagern. Wenn die Qualitätskomponente der alternativen Verkehrsträger verbessert wird, erhöht sich dieser Anteil auf 4 %. Ein empirischer Beweis für die Stichhaltigkeit dieser gutachterlichen Berechnungen ist die Wirkung der Lkw-Maut auf den Modal Split in wichtigen europäischen Ländern. Selbst die 5-mal höhere Lkw-Maut auf allen Straßen in der Schweiz hat zu keinen Verlagerungen zugunsten der Schiene geführt. Vielmehr hat der Anteil des Straßengüterverkehrs weiter zugenommen. Wenn nunmehr der BME behauptet, mit kosteninduzierten Preissteigerungen der Straße wachse die Attraktivität anderer Verkehrsträger, dann dürfen sich seine Verbandsmitglieder nicht wundern, wenn selbsternannte Umwelt- und Bahnschützer eine Verdoppelung der Lkw-Maut und eine Ausdehnung der Gebührenerhebung auf alle Straßen noch intensiver fordern werden.

Die EU-Kommission entwickelt dafür gerade das politische Instrumentarium unter dem Stichwort "Anlastung der externen Kosten". Sie wird gerne registrieren, dass die Verlader in Deutschland selbst der Meinung sind, dass es nur teurer auf der Straße werden muss, um die Angebote alternativer Verkehrsträger zu prüfen. Das ist ein bemerkenswerter Bärendienst, den der BME mit seiner Preisargumentation allen Auftraggebern und Dienstleistern im Logistiksektor geleistet hat. "Wenn man den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr sieht, dann sollte man vielleicht vor dem Aktionismus mit den Realitäten beginnen". So sieht man es jedenfalls im Frankfurter Haus des Straßenverkehrs.

Frankfurt am Main, den 17.11.2006

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