Wirbel um Feinstaubbelastungen - der Lkw eignet sich nicht als "Feinstaubteufel Nr. 1"

14.10.05

BGL. Frankfurt/M. - Die auf den ersten Blick wie ein geniales Beschäftigungsprogramm für die Umwelt- und Fahrzeugindustrie in Deutschland wirkende "Feinstaubbelastungs-Debatte" dürfte sich nach Ansicht des Bundesverbandes Güterkraftverkehr Logistik und Entsorgung (BGL) e.V. als Bumerang für den Wirtschaftsstandort Deutschland erweisen.

Zum einen wirkt eine Nachrüstung mit Filtern bzw. die Neuanschaffung von "umweltfreundlichen Fahrzeugen" wie eine milliardenschwere Vernichtung von Anlagenkapital durch die Entwertung von Millionen Gebraucht-Fahrzeugen. Zum anderen rechnen Umwelt-Experten vor, dass die für eine nur zweiprozentige Reduzierung der Feinstaubemissionen notwendigen Verkehrsbeschränkungen erhebliche Versorgungsengpässe, bis hin zur Lähmung des öffentlichen Lebens, zur Folge hätten.

Der BGL verwahrt sich gegen die in der Medienlandschaft kursierende Unterstellung, der Lkw-Verkehr sei "Feinstaubteufel Nr. 1". Wirklich ernst zu nehmende wissenschaftliche Untersuchungen zeigten vielmehr, dass bis zu drei Viertel der Feinstaubbelastungen in City-Lagen von außen herangetragen würden und keinesfalls mit Verkehrsbelastungen in Verbindung gebracht werden könnten. Die z.B. an einem mit Lkw-Fahrverbot belegten Sonntag in der Münchener City vorgenommenen Messungen oder die auf absolut autofreien Nordseeinseln vorgenommenen Tests würden diese Bewertung in eindrucksvoller Weise bestätigen. Angesichts der dennoch vorherrschenden Verteufelung des Wirtschaftsverkehrs in der öffentlichen Diskussion weist der BGL auf folgende Fakten hin: Lkw-Fahrer rollen nicht zu ihrem Vergnügen in Innenstädte, sondern um dort einen Ver- und Entsorgungsauftrag zu erfüllen. Gerade im Lkw-Bereich wurden durch die stufenweise Einführung der von der EU vorgeschriebenen Grenzwerte die Partikelemissionen am Auspuff schon um 80 % erheblich reduziert. Im kommenden Jahr wird die Gesamtreduktion gegenüber dem Ausgangsgrenzwert von 1993 (Euro 1) mit der Einführung von Euro 4 bereits 95 Prozent betragen!

Der Bundesverband rät dringend davon ab, Fahrverbote zu erlassen, die aufgrund erzwungener Umwegverkehre selbst zu höheren Umweltbelastungen führen, und lehnt eine pauschale Bemautung von Innenstadtverkehren ab. Vielmehr ist aus BGL-Sicht ein Gesamtkonzept notwendig, das alle möglichen Verursacher von Feinstaubbelastungen - Industrie und Kraftwerke ebenso wie private Haushalte - mit einbezieht. Dabei sollten die politischen Entscheidungsträger ihre Maßnahmen hinsichtlich ihrer wirtschaftlichen und ökologischen Auswirkungen überprüfen. "Wer bei der Diskussion um Feinstaub überzieht, wird bald noch mehr Arbeitslose haben", so die eindringliche Warnung des BGL an die Politik.
Nach Erkenntnissen des Bundesverbandes scheint die EU-Kommission inzwischen den fehlenden Realitätsbezug des Feinstaub-Grenzwertes erkannt zu haben. Gleichwohl will Brüssel die Entwicklung in den Mitgliedstaaten noch abwarten. Statt einer Grenzwertänderung sollen das Messverfahren und die in die Messung einzubeziehenden Partikelgrößen verändert werden.

Frankfurt am Main, den 14.10.2005

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