Erstmals wieder Aufkommens- und Leistungssteigerungen im Straßengüterverkehr

12.10.04

BGL. Frankfurt/M. - Im Straßengüterverkehr gab es 2003 erstmals wieder - nach starken Rückgängen in den vergangenen Jahren - sowohl Mengen- als auch Leistungszuwächse. So erhöhte sich die Transportmenge um ein Prozent und die Transportleistung um 2,4 Prozent. Der Bundesverband Güterkraftverkehr Logistik und Entsorgung (BGL) weist jedoch darauf hin, dass ausländische Wettbewerber, aufgrund bestehender Wettbewerbsverzerrungen, wieder einen erheblich größeren Anteil am Marktwachstum für sich verbuchen konnten als inländische Unternehmen. So ist die in ausländischen Fahrzeugen auf deutschen Straßen transportierte Gütermenge um 5,2 Prozent gestiegen, während deutsche Transportunternehmen nur ein Plus von 0,9 Prozent meldeten. Besonders stark zugelegt hat der Binnenverkehr ausländischer Transporteure im innerdeutschen Verkehr: Die so genannte Kabotageleistung erhöhte sich um 13,9 Prozent!

Wettbewerbsdruck durch osteuropäische Konkurrenten

Der BGL sieht auch für das Geschäftsjahr 2004 weitere Marktanteilsverluste deutscher Transportunternehmen, weil die erhoffte Harmonisierung speziell der fiskalischen Wettbewerbsbedingungen, seit Jahrzehnten auf sich warten lässt und die im Mai 2004 vollzogene EU-Osterweiterung den Wettbewerbsdruck durch neue Konkurrenten bedeutend erhöht hat. Als weitere negative Faktoren zählt der Bundesverband u. a. die schwache Baukonjunktur auf, die im vergangenen Jahr zu starken Einbußen bei der Gütergruppe "Steine und Erden" geführt hat. Aufkommenssteigerungen gab es hingegen bei den Gütergruppen "Fahrzeuge, Maschinen, Halb- und Fertigwaren", bei Nahrungs- und Futtermitteln sowie bei chemischen Erzeugnissen.

Mengenrückgang im Werkverkehr

Dem Marktbeobachtungsbericht des Bundesamtes für Güterverkehr (BAG) ist zu entnehmen, dass im Eigentransport von Industrie, Handel und Handwerk, dem sogenannten Werkverkehr, sowie bei den Verkehrsträgern Schienenverkehr und Binnenschifffahrt die Entwicklung in den verschiedenen Marktbereichen ebenfalls völlig unterschiedlich verlief. So machten sich die konjunkturbedingten Rückgänge, z. B. im Bauhauptgewerbe und im Handel für den Werkverkehr im besonderen Ausmaß negativ bemerkbar. Insgesamt mussten die nicht gewerblich durchgeführten Eigentransporte im Jahre 2003 einen Mengenrückgang von 4 Prozent hinnehmen. Der BGL rechnet damit, dass sich der Trend zu einer Transportverlagerung vom Werkverkehr auf den gewerblichen Güterverkehr - angesichts weiterer Kostenbelastungen durch die Lkw-Maut und die Entwicklung auf dem größer werdenden EU-Verkehrsmarkt - fortsetzen wird.

Bahn im Plus

Der Verkehrsträger Bahn konnte Aufkommens- und Leistungssteigerungen um vier Prozent vermelden. Damit wurde erstmals seit 1997 auf allen Hauptrelationen ein Güterverkehrswachstum festgestellt. Die Schiene profitierte dabei allerdings nicht von politisch angestrebten Verkehrsverlagerungen von der Schiene auf die Straße, sondern von erheblichen Beförderungseinbrüchen der Binnenschifffahrt, die wegen des heißen Sommers 2003 buchstäblich über Monate "auf dem Trockenen" saß. Entsprechend steigerte die Bahn ihr Transportaufkommen in den Bereichen "Erdöl, Mineralölerzeugnisse, Gase" sowie "Feste mineralische Stoffe".

Die vom Niedrigwasser heimgesuchte Binnenschifffahrt konnte lediglich in der Gütergruppe "Fahrzeuge, Maschinen, Halb- und Fertigwaren" leichte Aufkommenssteigerungen erzielen. Für dieses Jahr wird die Verkehrsleistung in der Binnenschifffahrt - im Vergleich zu der katastrophalen Entwicklung in 2003 - mit einem vorausgesagten Plus von 4,9 Prozent, relativ hoch ausfallen.

Problem: Weitergabe der Kostensteigerungen

In einer Mittelfristprognose bis zum Jahre 2008 geht die ProgTrans, Basel, von einer jährlichen Zuwachsrate von 3,1 Prozent im Straßengüterverkehr aus. Dabei wird das Maß der erreichten Harmonisierung der Wettbewerbsbedingungen darüber entscheiden, ob dieses Wachstum auch deutschen Transportunternehmen zugute kommen kann. Gemäß Jahresbericht 2003 des Bundes-amtes für Güterverkehr (BAG) war es der Mehrzahl der deutschen Transportunternehmen im vergangenen Jahr aufgrund der Wettbewerbssituation kaum möglich, "ihre gestiegenen Kosten - vor allem Kraftstoff-, Lohn- und Lohnnebenkosten - an die Auftraggeber weiterzugeben". Entsprechend hoch liegt das Niveau der Insolvenzen im Transportgewerbe.

Frankfurt, den 8. Oktober 2004

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