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BGL zu den Ozon-Plänen von Umweltminister Trittin: Innovationen und technischer Fortschritt statt unwirksamer Temporabulistik

28.04.00

BGL. Frankfurt/M. - Und wieder wird der Güterkraftverkehr als Prügelknabe für die Umweltpolitik herangezogen. Umweltminister Trittin will eine verschärfte Verordnung zur Vermeidung sommerbedingter Ozonspitzenkonzentrationen in der Luft durchsetzen. Der Grenzwert für verkehrslenkende Maßnahmen soll von 240 Mikrogramm auf 180 Mikrogramm herabgesetzt werden.

Bei Erreichen des Grenzwertes sollen folgende Beschränkungen für den Güterkraftverkehr in Kraft treten:

Tempo 60 km/h auf Autobahnen, Tempo 50 km/h auf Landstraßen.

Herr Trittin vergisst dabei folgende Fakten, auf die der BGL hinweist:

1. Der NOx-Anteil der Abgase schwerer Nutzfahrzeuge (verantwortlich für die Ozonentstehung) wurde seit 1994 um 22 % gesenkt. Es ist nicht nur wissenschaftlich höchst umstritten, ob eine geringere Fahrgeschwindigkeit den Ozongehalt der Luft reduziert, weil kaum die Geschwindigkeit über das Entstehen relevanter "Schadgase", die als Ozonverstärkersubstanzen gelten, entscheidet. Der Abgasausstoß z. B. eines Dieselmotors ist überwiegend drehzahl- und weniger geschwindigkeitsabhängig. Moderne Nutzfahrzeuge sind heute so ausgelegt, dass sie im verbrauchsgünstigsten Drehzahlbereich bei einer Geschwindigkeit von 80 km/h betrieben werden können.

Dabei erreichen sie drehzahlabhängig auch die günstigsten Abgaswerte. Das Unterschreiten optimaler Motor- und Kraftstrangbetriebsbedingungen führt zu erhöhtem Kraftstoffverbrauch und damit erhöhter Schadstoffemission.

2. Eine Reduzierung der Geschwindigkeit von 60 km/h auf 50 km/h auf Landstraßen führt erst recht nicht zu Schadstoffreduzierungen, sondern entfernt Nutzfahrzeuge noch weiter von ihren optimalen Betriebsbedingungen.

3. Eine reduzierte Geschwindigkeit von 80 km/h auf 60 km/h hat eine Fahrzeitverlängerung um 25 % zur Folge. Um die Versorgungslage von Wirtschaft und Verkehr aufrecht zu erhalten, bedarf es somit des Einsatzes von zusätzlichen Fahrzeugen, die ihrerseits das eigentlich zu reduzierende Emissionspotential entsprechend erhöhen. Zudem wird durch die Kolonnenbildung bei Geschwindigkeitsbeschränkungen und das "Zufahren" der rechten Fahrspur auf den Autobahnen der gesamte Verkehrsfluss verschlechtert. Durch ständige Beschleunigungs- und Bremsvorgänge entstehen so zusätzliche Emissionen, Stress und damit Verkehrssicherheitsrisiken.

Herr Trittin sollte sich angesichts dieser Fakten dafür einsetzen, dass die Mineralölindustrie schnellstens schwefelarmen Dieselkraftstoff vor dem Zeitplan der EU an deutschen Tankstellen anbietet. Es ist nicht einzusehen, dass dieser Kraftstoff in Deutschland erzeugt und nach Schweden exportiert wird. Schwefelarmer Kraftstoff mindert die Schadgasemissionen unabhängig vom Motorentyp und dessen Lebensalter um 20 % - 30 %. Also ein sofort wirkendes und echtes Umweltprogramm. Notfalls sollte die Bundesregierung die Einführung dieses Kraftstoffs steuerlich fördern.

Durch Ökosteuern und Umweltabgaben werden dem Güterkraftverkehr darüber hinaus Mittel entzogen, die man besser für Investitionen in neue, noch umweltfreundlichere Technologien bei Fahrzeugen einsetzen könnte. Damit wäre der Umwelt noch mehr geholfen, und es würden zusätzlich noch Arbeitsplätze geschaffen.

Frankfurt am Main, den 28. April 2000

Pressekontakt

Martin Bulheller
Leiter Öffentlichkeitsarbeit

Telefon: (069) 79 19-277
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