Pressearchiv 2009
16.10.2009 Wirtschaftskrise und Mauterhöhung hinterlassen tiefe Spuren im Transportlogistikgewerbe
BGL sieht nach tiefen Kapazitätseinschnitten das Gewerbe auf Konsolidierungskurs
BGL, Berlin, 16.10.2009: Wie der Bundesverband Güterkraftverkehr Logistik und Entsorgung (BGL) e.V. aus Frankfurt am Main auf seiner heutigen Jahreshauptversammlung in Berlin für 2009 feststellte, hat die 50%ige Mauterhöhung zum 01.01.2009 – mitten in der schärfsten Rezession der Nachkriegsgeschichte – tiefe Spuren im Transportlogistikgewerbe hinterlassen. Nach der von der Berufsgenossenschaft für Fahrzeughaltungen ermittelten Insolvenzentwicklung haben allein im ersten Halbjahr 2009 445 Unternehmen Insolvenz angemeldet. Dabei wurden Unternehmen nicht mitgezählt, für die mangels Masse kein Insolvenzverfahren eröffnet wurde. Der Verband rechnet auf dieser Grundlage mit einer Verdopplung der Insolvenzzahlen in diesem Jahr gegenüber dem Vorjahr. Parallel zu dieser Entwicklung haben deutsche Transportlogistikunternehmen ihre Fuhrparkkapazitäten drastisch reduziert. Nach den Zahlen des Kraftfahrt-Bundesamtes (KBA) in Flensburg mussten seit dem Start der Mauterhöhung nahezu 70.000 mautpflichtige Lkw abgemeldet werden. Bezogen auf den Gesamtbestand aller mautpflichtigen Fahrzeuge bedeutet dies, dass jedes 5. Fahrzeug stillgelegt wurde. Gleichzeitig wurden bis zu 70 % weniger Nutzfahrzeuge angemeldet. Angesichts dieses „Aderlasses“ stellt sich nach Beobachtungen des BGL mittlerweile eine Angleichung des Transportraumangebots an die durch die Wirtschaftskrise geschrumpfte Nachfrage ein. „Damit sind notwendige Grundvoraussetzungen für stabilere Märkte in greifbare Nähe gerückt, die sich ertragsstabilisierend auf die heftig gebeutelte Transportwirtschaft auswirken könnten“, meint BGL-Präsident Grewer. Alles hängt davon ab, ob der nie dagewesene Absturz der deutschen Wirtschaft wirklich zum Halten gebracht werden kann. Die nächsten Wochen werden darüber entscheiden, ob ein „Silberstreif am Horizont“ auch für das Transportgewerbe erkennbar wird. Noch sind Anzeichen eines möglichen Aufschwungs auf wenige Branchen fokussiert, die beobachteten Abwärtstrends aber noch nicht überall, vor allem in der Exportwirtschaft, gestoppt. „Eine Konsolidierung auf niedrigem Niveau scheint möglich, wenn mit der Beendigung des freien Falls der Transportwirtschaft jetzt der Talboden erreicht sein sollte. Der Wiederaufstieg wird mühsam und langwierig“, so BGL-Präsident Grewer. Großes Vertrauen setzt der BGL-Präsident in die Anpassungsfähigkeit des Mittelstandes im Transportgewerbe bei der Bewältigung der Krise. Viele Opfer, die zu beklagen sind, gehen auf das Konto der Verkehrspolitik, die Jagd auf den Lkw zum Prinzip hatte. Rücksicht auf die Folgen wurde nicht genommen. Die neu angetretene Koalition muss jetzt für Stabilität und Berechenbarkeit sorgen, damit das Pflänzchen der Konsolidierung nicht durch weitere Wechselbäder der europäischen Verkehrspolitik ausgerissen wird. Der Regierungswechsel in Berlin weckt im Transportlogistikgewerbe die Hoffnung, dass die neue Bundesregierung die verkehrspolitischen Fehler der letzten Jahre zeitnah korrigiert und den Anforderungen des mittelständischen Verkehrsgewerbes im Rahmen einer konsistenten Verkehrspolitik Rechnung trägt – jeder Tag zählt! Die neue Bundesregierung wird schon sehr bald im Rahmen der auf EU-Ebene anstehenden Entscheidungen, z. B. zur Harmonisierung der Energiesteuer auf Dieselkraftstoff und zur Anlastung sog. externer Kosten bei der Straße, Gelegenheit haben, für eine verträgliche Verkehrspolitik sorgen zu können. Was viele Betriebe momentan zusätzlich belastet – die BGL-Konjunkturanalyse ergab für die ersten beiden Quartale 2009 die schlechtesten bisher ermittelten Ergebnisse – , ist die schleppende Umsetzung der Mautharmonisierungsmaßnahmen. Diese waren Anfang 2009 mit vierjähriger Verspätung beschlossen worden. Die Auszahlung der Harmonisierungsmittel – so gering die Beiträge im Einzelfall auch sein mögen – lässt in den meisten Fällen jedoch immer noch auf sich warten. BGL-Präsident Hermann Grewer dazu: „Wir sind alarmiert über die vielen offenen Anträge. Der Bundestag ging in die Sommerpause und den Wahlkampf in der Annahme, die Auszahlung der Harmonisierungsmittel stünde kurz bevor und werde beschleunigt. Hätte das BMVBS rechtzeitig auf den BGL gehört und die Förderhöchstgrenze von 600.- € auf mindestens 850,- € pro Fahrzeug angehoben, müssten wir jetzt nicht mit ansehen, dass ein Großteil für das Jahr 2009 zugesagten Harmonisierungsmittel nicht ausgekehrt werden kann.“ Leider hat der noch amtierende Minister bei der Ermittlung der Zahl der förderberechtigten Fahrzeuge seiner eigenen Unterbehörde – dem Kraftfahrzeug-Bundesamt (KBA) in Flensburg – weniger vertraut als außenstehenden Dritten. Der BGL hat rechtzeitig darauf hingewiesen, dass sich diese Zahl laut KBA-Angaben auf etwa 470.000 (vor der Krise) belaufen dürfte. Dennoch vertraute das BMVBS auf Zahlen aus dem Hause TollCollect, die weit höher liegen als die Summe aller in Deutschland zugelassenen mautpflichtigen Fahrzeuge. Der BGL steht hier im engen Dialog mit dem BMVBS und BAG, um die Auszahlung der den Betrieben zustehenden Harmonisierungsbeträge einfacher und schneller zu organisieren. Ergänzende Informationen hierzu finden Sie im neuen BGL-Jahresbericht auf Seite 6–12/18–25. Ihr Ansprechpartner ist Martin Bulheller: Tel. 069/7919-277; presse@bgl-ev.de
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