Bundesverband Güterkraftverkehr Logistik und Entsorgung (BGL) e.V.

Pressearchiv 2007

27.12.2007
„Internalisierung externer Kosten“ im Palettentausch?

BGL, Frankfurt am Main, 27.12.2007 – Viel ist derzeit die Rede von einer „Vermeidung bzw. Anlastung externer Kosten des Verkehrs“. Dabei geht es immer darum, dass ein Wirtschaftsbeteiligter (in diesem Fall der Straßenverkehr als Sündenbock) Schäden (z.B. Umweltbelastungen) bei Dritten (z.B. Anwohnern) verursacht. Und diese Schäden wären entweder zu vermeiden (kein Transport mehr) oder, so die „gängige Volksmeinung“, beim „Verursacher“ (was nicht objektiv und unbedingt der Straßenverkehr sein muss) anzulasten.

Ein ähnliches Phänomen gibt es, in denen das Transportgewerbe der „Geschädigte“ ist: Ein Handelsunternehmen kauft palettierte Ware (z.B. Kekse) beim Keksproduzenten. Das Transportunternehmen wird vom Keksproduzenten beauftragt, diese Ware zum Handelsunternehmen zu bringen – natürlich (hoffentlich) zu einem fairen Preis. Option 0: Über die „nebensächliche“ Frage eines Palettentausches wurde nichts vereinbart. Das Transportunternehmen holt die (palettierte) Ware beim Keksproduzenten ab und bringt sie zum Handel. So weit so gut. Aber halt: Mit der Ware sind 30 oder mehr Paletten vom Industrie- zum Handelsunternehmen gewandert. Option A wäre damit, das Transportunternehmen führt diese 30 Paletten zurück. Dazu braucht es einen Auftrag, den es in der Regel nicht hat. Besser wäre schon Option B: Das Transportunternehmen hat beim Versender bei Übergabe der Ware 30 Leerpaletten abgegeben und möchte diese jetzt vom Handelsunternehmen (natürlich in identischer Qualität) zurück. Aber jetzt beginnen die Probleme: Derer gibt es u.a. die Varianten, dass der Fahrer

- auf die entladenen Paletten wartet oder

- auf einen Stapel gebrauchter („qualitativ nicht gleichwertiger“) Paletten verwiesen wird oder

- einen Umweg zu einem „Leergutplatz“ fahren muss.

Eventuelle Einsprüche des Fahrers („das kostet aber was“) finden kein Gehör. Denn schließlich hat das Transportunternehmen seinen Auftrag vom Keksproduzenten, „damit“ hat das Handelsunternehmen, auf dessen Hof der Fahrer steht, nichts zu tun.

Anders ausgedrückt: Es entstehen beim Transportunternehmen Kosten, „verursacht“ durch den Kauf von Keksen durch den Handel beim Keksproduzenten – auf Neuhochdeutsch also „externe Kosten“. Im Kaufvertrag zwischen Industrieunternehmen und Handelsunternehmen ist natürlich über Palettentausch und –rückführung keine Regelung enthalten.

Jetzt hat der Fahrer bzw. das Transportunternehmen zwei Möglichkeiten. Erste Möglichkeit: Er weigert sich, zu warten bzw. die schlechten Paletten zu nehmen bzw. den Umweg zu fahren. Dann „steigt er in diesem Moment aus“. Das entspricht aus Transportunternehmers’ Sicht der „Vermeidung externer Kosten“. Damit dürfte er, da er keine Leerpaletten zum Versender zurückbringt, auch aus künftigen Geschäften mit dem Industrieunternehmen ausgestiegen sein. Zweite Möglichkeit: Er informiert seinen Kunden, dass er künftig aufgrund der geschilderten Lage keine Tauschpaletten mehr vorab tauschen wird. Damit steigt der Unternehmer künftig aus dem Palettentausch aus. Auch damit dürfte er aus künftigen Geschäften mit dem Industrieunternehmen ausgestiegen sein. Eigentlich bleibt nur eines: Er hat zuvor beim Industrieunternehmen die gleiche Zahl von Leerpaletten abgegeben. Dann braucht er die Paletten zwar nicht rückzuführen, aber ihm selbst fehlen die Paletten. Dann bleibt er auf den Kosten der Paletten, zumindest aber auf den Kosten der Wartezeit, der Qualitätsdifferenz zwischen den abgegebenen und empfangenen Paletten oder den Kosten der Umwegfahrt sitzen – es sei denn, er hat eine vertragliche Vereinbarung mit seinem Kunden über die Kosten des Palettentauschs getroffen. Ziel müsste es schließlich sein, dass dann derjenige die „externen Kosten“ des Palettentauschs trägt, der sie verursacht. Denn laut VBGL ist der Palettentausch „eine gesonderte Dienstleistung des Frachtführers, die mit dem Frachtentgelt nicht abgegolten und besonders zu vergüten ist.“

Es kann vor diesem Hintergrund niemanden erstaunen, dass Transportunternehmer in Frankreich, England und Italien seit Jahren keinen generellen Zug-um-Zug-Tausch mehr durchführen und neuerdings auch Schweizer Transportunternehmen und italienische Spediteure nichts mehr mit dem Palettentausch zu tun haben wollen. Ebenso wenig verwunderlich ist es, dass auch deutsche Logistikunternehmen über Ausstiegsmöglichkeiten nachdenken. Nicht nachvollziehbar ist allerdings die Forderung einzelner Verbände, selbst aus dem Palettentauschverfahren auszusteigen. Aussteigen kann nur der, der irgendwo eingestiegen ist. Da die Verbände keine Beteiligten des Tauschverfahrens sind, können sie nur empfehlen, aber nicht selbst handeln oder den Ausstieg der Mitglieder erzwingen. Allen Beteiligten müssen deshalb zwei Dinge klar sein:

- „Aussteigen“ aus dem Palettentauschverfahren können nur Transportlogistikunternehmen gegenüber ihren Kunden und

- bevor der praktizierte Zug-um-Zug-Tausch zunächst verbal und rabulistisch „in die Luft gesprengt wird“, sollten sich die Wirtschaftsbeteiligten an einen Tisch setzen, um die „externen Kosten des Palettentauschs“ denjenigen anzulasten, die sie verursachen. Verursacher sind jedenfalls nicht die Dienstleister, sondern sie sind allein auf der Kaufvertragsebene zu finden. Dort zählen wiederum nur der Wettbewerb und die Marktmacht. Zu oft wurde schon in dieser Suche geschworen und einzelne haben sich sogar die „Finger verbrannt“. Getreu dem Motto: „Hanemann, geh`Du voran …“. Es ist fast wie mit dem Monster vom Loch Ness. Es wird von Zeit zu Zeit gesichtet, aber niemand konnte es bisher dingfest machen.

Ihr Ansprechpartner ist: Martin Bulheller, Tel. 069/7919-277

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