Bundesverband Güterkraftverkehr Logistik und Entsorgung (BGL) e.V.

Pressearchiv 2007

23.03.2007
Quotenregelung für Heinzelmännchen – Eine Parabel auf das Marktverständnis der Knauf Gips KG-Logistik

BGL. Frankfurt/M. – Reflexionen zum Thema „Erfolgreich im Ladungsverkehr“, von Prof. Dr. Karlheinz Schmidt, Hauptgeschäftsführer, Bundesverband Güterkraftverkehr Logistik und Entsorgung (BGL) e.V.

Folgt man dem Problembewusstsein der Bevölkerung und auch einzelner Verlader, übernehmen Heinzelmännchen die Versorgung und achten darauf, dass alles immer zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Platz steht. Diese Heinzelmännchen, bekannt auch als in der Öffentlichkeit wenig beliebte Transport- und Logistikdienstleister, waren in der Vergangenheit so zahlreich, dass man ruhig aus den vollen schöpfen konnte. Ganz früher gab es nur „schwarz-rot-goldene“ Heinzelmännchen, danach gab es zusätzlich viele mit orangen Mützen, neuerdings tragen Heinzelmännchen immer exotischere Kappen. Trotzdem geschah im letzten Jahr etwas, was den Organisatoren der Heinzelmännchen Kopfzerbrechen macht. Seitdem gibt es mehr zu tun als Heinzelmännchen manchmal zur Stelle sind. Mit viel Getöse um „echte Partnerschaft“ werden seitdem Heinzelmännchen selbst von denen angelockt, die vorher immer auf die Marktkräfte verwiesen, nach denen sich der Preis für Heinzelmännchen nach Angebot und Nachfrage regele, mehr bedürfe es zur Marktsteuerung nicht.

Als die Heinzelmännchen sich trotzdem nicht in gewünschtem Ausmaß vermehrten, – schließlich hatte man über Jahre höchstens deren Überleben, aber nicht die Reinvestition in Heinzelmännchen für nötig gehalten –, begann das Problem sogar die Hausherren zu interessieren. Der einst so gepriesene Markt, der ständig für Preisabschläge bei bester Leistung sorgte, „spielte“ wirklich. Die Preise gingen kosten- und knappheitsbedingt nach oben. Noch blieb nichts liegen, aber die Aufregung der sonst bei Ausschreibungen weitgehend auf Preissenkung schielenden Auftraggeber war groß. Wie sollte man mit diesem Phänomen der knappen Heinzelmännchen umgehen?

Ein kurioses Beispiel hierfür bot jetzt der Frachtmanager der Gebrüder Knauf Gips KG, Iphofen, in einem Seminar mit dem Titel „Erfolgreich im Ladungsverkehr“. Er kam auf die „tolle Idee“, statt – wie es der Markt verlangt – Preiszuschläge zu zahlen, eine Quotenregelung für seine Dienstleister „zu erfinden“. Diese Quotenregelung soll in den nächsten Monaten – „partnerschaftlich“ versteht sich – vereinbart werden. Man hat sich wirklich nicht verhört, dass die größten Befürworter der Marktkräfte, die auf eigene Transportbörsen setzen, jetzt Quotenregelungen wollen.

Was steht nun wirklich hinter dieser Quotenregelung. Bei genauerem Hinsehen ist es eine Art archaische „Zwangsverpflichtung“, die in der Marktwirtschaft nichts zu suchen hat und gleich in der Folge der Arbeitsorganisationen dem mittelalterlichen Frondienst folgt. Denn nach der „gegipsten“ Quotenregelung sollen die Dienstleister des Baustoffgiganten entsprechend ihren Vorjahresquoten verpflichtet werden, Laderaum zwangsweise anzubieten. Das wäre vielleicht noch nicht so schlimm, wer sollte sich schon gegen Geschäft wehren? Aber, dieser requirierte Laderaum ist zu einem vorgegebenen Preis, höchstens mit minimalem Aufschlag anzubieten. Andernfalls droht der totale Auftragsentzug.

Spätestens an diesem Punkt endet die Marktwirtschaft und der Spaß für die Heinzelmännchen. Schließlich muss die Quote auch noch erhöht werden, wenn der Ausstoß der Produktion wachsen wird. Wie soll das bitteschön ein kleiner oder mittelständischer Unternehmer bewerkstelligen? Dafür sind langfristige Investitionen nötig, um Fahrzeuge und Fahrer bereitzustellen. Diese Fahrzeuge und Fahrer können aber nur täglich an der „Gips-Börse“ angeboten werden. Und sollte der Boom vorbei sein, ist es auch mit der Quote aus. Für diesen Fall gibt es selbstverständlich keine Verpflichtung, die vorgeschriebene Quote seitens des Auftraggebers auch abzurufen. Eine tolle marktwirtschaftliche Vorstellung!! Man begrenzt den Preisanstieg bei Knappheitssignalen des Marktes nach oben, lässt weiterhin das Auslastungsrisiko bei mittelständischen Transport- und Logistikdienstleistern und vertraut im Übrigen darauf, sollte der Preis wieder einmal nach unten gehen, dass dies sofort und unmittelbar geschieht.

Man kann es mit dem Fleiß der Heinzelmännchen auch übertreiben, wie das Beispiel der echten Kölner Heinzelmännchen gezeigt hat. Irgendwann waren die Heinzelmännchen verschwunden, und man musste selbst wieder zupacken. Auftraggeber, die heute ihren Dienstleistern Investitions- und Planungssicherheit verweigern, dürfen sich also nicht wundern, wenn ihre Dienstleister aussterben oder jegliche Flexibilität verlieren.

Es sollte sich auch bei der Knauf Gips KG zwischenzeitlich herumgesprochen haben, dass es nicht nur ein „Hardwareproblem“ bei der Beschaffung qualitativ einwandfreier und geeigneter Fahrzeuge gibt, sondern dass sich das Problem auf den Einsatz qualifizierten Fahrpersonals zuspitzt. Mittelständische Transport- und Logistikunternehmen mit ihren Fahrern können nicht einfach auf Knopfdruck und Bestellung per Quote „beschafft“ werden. Gute Fahrer müssen ausgebildet werden und brauchen eine Beschäftigungsperspektive. Wenn die Wirtschaft für Beschäftigungsspitzen gerüstet sein und nicht in Zukunft auf ihren Waren sitzenbleiben will, wird sie etwas für die Vermehrung und Stärkung der Heinzelmännchen tun müssen. Wer in fetten Zeiten die Heinzelmännchen daran hindern will, Geld für Zukunftsinvestitionen zu verdienen, beschleunigt das Sterben der Heinzelmännchen und besiegelt vielleicht sein eigenes Ende.

Guter Rat ist teuer und trotzdem ganz einfach. Heinzelmännchen sind gut beraten, ihre wichtigen „Assets“, wie diese auf neudeutsch heißen, gut zu hüten. Die Pfunde, mit denen man im Markt wuchern kann, sind qualitativ hochwertige Fahrzeuge und zuallererst gut geschulte und motivierte Fahrer. Das kostet viel Geld. Im Zeichen einer rapide zunehmenden Fahrerknappheit wäre es töricht, diese Vorzüge einfach in Quotensystemen zu „versenken“. Echte Partner, die langfristig auf Leistungen des mittelständischen Transport- und Logistikgewerbes zählen, dürfen ihre Dienstleister nicht nur wie den „billigen Jakob“ behandeln. Jetzt ist die Chance, dem Übermut der Marktmacht und Quotenregelungen ein „Nein“ entgegenzusetzen. Wenn Quoten generell nicht akzeptiert werden, dürften bestimmte Güter durch die Auftraggeber bald selbst zum Empfänger getragen werden. Diese Erkenntnis ist kein Grund übermütig zu werden. Aber, die Zeiten, in denen das Licht unter den Scheffel gestellt werden musste, sind mit selbstbewussten Auftritten, im Wissen um den Wert der eigenen Leistung, zu beenden.

Was hilft? Vielleicht die Abwandlung eines alten Sponti-Spruchs: „Stell’ Dir vor, es gibt Quoten, und keiner fährt hin!“

Frankfurt am Main, den 23.03.2007

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