Bundesverband Güterkraftverkehr Logistik und Entsorgung (BGL) e.V.

Pressearchiv 2007

19.10.2007
Die wirtschaftliche Lage im Transportlogistikgewerbe: Fragile Strukturen – der Export bleibt die Achillesferse

BGL, Frankfurt am Main – Nach jahrelanger Durststrecke hat sich die wirtschaftliche Lage im deutschen Transportlogistikgewerbe konsolidiert. Gleichwohl ist der wirtschaftliche Aufschwung kein unangefochtener Selbstläufer. „Treiber“ des Aufschwungs sind die Exporterfolge der deutschen Wirtschaft, während die Binnennachfrage ohne entscheidende Impulse bleibt. Das Gewerbe blickt optimistisch in die Zukunft. Ob die positive Stimmung nachhaltig ist, hängt davon ab, dass die Achillesferse der deutschen Wirtschaft – der Export – von Rückschlägen verschont bleibt.

Wie der Bundesverband Güterkraftverkehr Logistik und Entsorgung (BGL) e.V., Frankfurt am Main nach Auswertung seiner Konjunkturanalyse über das 2. Quartal 2007 berichten kann, ist aufgrund der brummenden Konjunktur und der für die Jahreszeit üblichen Geschäftsbelebung die Umsatzentwicklung überdurchschnittlich gut. Jedoch hat sich auch die Kostenschraube wieder um einiges schneller gedreht als in den beiden Quartalen davor. So kommt es, dass bei der saldierten Betrachtung der Betriebsergebnisse in der Branche immer noch ein Minuszeichen voransteht, auch wenn nahezu ebenso viele Unternehmen gute wie schlechte Betriebsergebnisse verzeichnen konnten.

Die Änderungen bei den Arbeits- und Sozialvorschriften beginnen sich in den Umfrageergebnissen niederzuschlagen: 44 % der befragten Unternehmen meldeten im 2. Quartal 2007 gestiegene Personalkosten. Und: Der Fahrpersonalbestand hat sich per Saldo noch nie so stark erhöht wie im Berichtszeitraum. Ein Teil der Personalzunahme ist allerdings auch auf die vorgenommenen Fuhrparkerweiterungen zurückzuführen. 17 % der Befragten erhöhten ihre Fuhrparkkapazität, dem standen nur 4 % mit Reduzierungen gegenüber. Die Investitionsquote war zwar im Vergleich der letzten Jahre relativ hoch, jedoch wurde – vor allem bei der Investitionsprognose – eine noch abwartende Haltung der Unternehmen dahingehend deutlich, inwieweit das von der Politik angekündigte (und zwischenzeitlich auch umgesetzte) Innovationsprogramm tatsächlich in geeigneter Art und Weise realisiert werden würde.

Bemerkenswert am aktuellen Branchengeschehen ist, dass sich nach den jüngsten Verkehrsprognosen der Nahverkehr im laufenden Jahr noch positiver entwickeln wird als in 2006. Damals war erstmals nach vielen Jahren Baustrukturkrise eine deutliche Verkehrsleistungssteigerung von 6,6 % gegenüber dem Vorjahr zu verzeichnen. In 2007 soll das Wachstum laut den neuen Prognosen sogar 8,6 % betragen, nachdem man es vor wenigen Monaten noch bei 1,1 % gesehen hatte. Auch für den Regionalbereich wurden die Erwartungen für 2007 nach oben korrigiert: +5,6 % bei den Tonnenkilometern statt +1,7 % (nach +5,7 % in 2006). Ebenso entwickelt sich der Fernverkehr deutlich besser als bisher erwartet: Er soll in 2007 um 7,1 % zunehmen, nach bisher vermuteten +2,6 %; in 2006 betrug das Wachstum gegenüber dem Vorjahr noch 6,4 %.

Trotz des oben erwähnten Innovationsprogramms und der Kfz-Steuerabsenkung für schwere Nutzfahrzeuge mahnt der BGL nach wie vor die Umsetzung der Harmonisierungszusage aus dem Mautkompromiss an. Danach sollen Straßenbau und Unterhaltungskosten in einem Umfang von 600 Mio. Euro von der Steuerfinanzierung auf Nutzerfinanzierung umgestellt werden. Durch die beiden erwähnten Maßnahmen ist bis dato aber nur ein Harmonisierungsvolumen von 250 Mio. Euro realisiert, so dass für immer noch 350 Mio. Euro Handlungsbedarf besteht. Wie dringlich dieser Handlungsbedarf ist, zeigt ein Blick in die Statistik: Lag der Marktanteil gebietsfremder Lkw auf deutschen Straßen 1999 noch bei 29,4 % betrug er im Jahre 2006 bereits 33,1 % und wird für 2008 von Experten auf 34,5 % prognostiziert.

 

Frankfurt am Main, 19.10.2007

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