Bundesverband Güterkraftverkehr Logistik und Entsorgung (BGL) e.V.

Pressearchiv 2007

02.11.2007
BGL zur Entscheidung des Landesarbeitsgerichtes Chemnitz: Lokführerstreik im Güterverkehr bringt keine Versorgungsengpässe für die Zivilbevölkerung – Eskalation trifft einzelne Industriebereiche und könnte durch Kurzarbeit und Produktionsausfälle den Aufschwung gefährden

BGL. Frankfurt/M. – Der Bundesverband Güterkraftverkehr Logistik und Entsorgung (BGL) e.V. in Frankfurt/Main sieht nach der Entscheidung des Landesarbeitsgerichtes Chemnitz durch die angekündigten Lokführerstreiks im Güterverkehr keine flächendeckenden Versorgungsengpässe auf die Zivilbevölkerung zukommen. Der Lkw-Anteil im Bereich der Handelslogistik ist so hoch, dass die Bundesbürger sich nicht wegen Lokführerstreiks leeren Regalen gegenübersehen werden.

Der Anteil des Lkw bei der Versorgung von Bevölkerung und Wirtschaft beträgt ohnehin mehr als 80 % bei der Tonnage und rund 70 % bei den tonnenkilometrischen Leistungen. Allerdings erwartet der BGL eine „wenig komfortable“ Situation im Bereich logistischer Ganzzugverkehre und im Kombinierten Verkehr. Einige Branchen seien in logistischen Teilsegmenten sehr stark bahnabhängig. Diese Feststellung gilt im besonderen Maß für die Chemie- und Stahlindustrie, aber auch für die Automobilindustrie in bestimmten Segmenten – z.B. Züge für den Abtransport von Neufahrzeugen und Ganzzüge zwischen europäischen Fertigungsstätten. Auch Seehafenhinterlandverkehre mit Containern sind in sehr starkem Maße schienenabhängig. Ein Streik der Lokführer könnte deshalb in den erwähnten Segmenten sehr rasch zu einer kritischen Situation und Produktionseinschränkungen bis hin zur Kurzarbeit führen. Der Seehafenhinterlandverkehr könnte bei massiven mehrtägigen Streiks völlig zum Zusammenbruch kommen. Ein- und ausgehende Container würden buchstäblich die Häfen „verstopfen“. Eine Entlastung durch Straßengüterverkehre sei in den erwähnten Marktsegmenten nicht aus dem Stand zu schaffen, da Spezialträgerfahrzeuge benötigt würden, die europaweit in erforderlichem Umfang nicht zur Verfügung stünden. Das gleiche gelte auch für Spezialaufbauten für Neuwagentransporte und die Teilelogistik der Automobilindustrie.

Sorge äußert der BGL auch zum kombinierten Verkehr Schiene – Straße. Etwa 500 mittelständische Kraftwagenspeditionen „verlagerten“ einen Teil ihrer Fernverkehre im Hauptlauf auf die Schiene. Davon betroffen sind etwa 1 % der Straßengütertonnage und 3 % der tonnenkilometrischen Leistung. Bei entsprechenden Qualitätseinbußen der Schiene durch Zugausfälle oder Zugverspätungen müssten diese Verkehre auf die Straße zurückverlagert werden. Nur eine zuverlässige Schiene, die Qualität und Pünktlichkeit in den Vordergrund stellt, ist ein dauerhafter Partner für das Transportlogistikgewerbe, so der BGL.

Der BGL macht in diesem Zusammenhang auf die angestrebte Teilprivatisierung der DB AG aufmerksam und verknüpft damit die Frage, ob die bisherige Wettbewerbsorientierung auf der Schiene ausreichend ist. Wenn zu einem früheren Zeitpunkt und konsequent mit Angebotsvielfalt im Schienengüterverkehr begonnen worden wäre, bestünde eine weniger hohe Streikanfälligkeit, wie dies derzeit bei einer marktbeherrschenden DB AG der Fall ist. Dabei zeigt sich – so der BGL – auch eine weitere „Achillesferse“ für den geplanten Börsengang der „Bahn mit Netz“. Nachdem die Lokführer den „Pilotenstatus“ für sich beanspruchten, könnten sehr rasch die Mitarbeiter in Stellwerken und bei der Zugüberwachung den „Fluglotsenstatus“ voranstellen. Vor diesem Hintergrund muss überdacht werden, ob trotz Börsengang der Bahn bestimmte Schlüsselbereiche für das Funktionieren der Infrastruktur in staatlicher Regie- und Personalverantwortung bleiben sollten. Schließlich ist nicht auszuschließen, dass eine teilprivatisierte Bahn noch leichter zum Spielball von Gruppeninteressen würde, die sich in zunehmender Streikbereitschaft entladen könnte.

„Der verhärtete Tarifkonflikt zwischen DB AG-Führung und GDL gefährdet den Aufschwung in Deutschland. Streiks im Güterverkehr sind nicht so unpopulär wie Arbeitsniederlegungen im Personenverkehr, weil ‚Güter’ sich nicht ‚beschweren’ können. Trotzdem ist der Schaden für die Gesellschaft um ein Vielfaches größer. Ich zweifle daran, dass die Tarifpartner ihrer gesamtgesellschaftlichen Verantwortung auch nur annähernd gerecht werden“, äußert BGL-Präsident Hermann Grewer.

 

Frankfurt am Main, den 02.11.2007

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