Bundesverband Güterkraftverkehr Logistik und Entsorgung (BGL) e.V.

Pressearchiv 2006

17.10.2006
Verkehrsemissionen nehmen trotz Verkehrswachstum ab

BGL. Frankfurt/M. – Spätestens mit der Umsetzung der EU-Richtlinie zur Einhaltung der Feinstaubgrenzwerte hat sich gezeigt, in welchem Maße Umweltpolitik von Ideologen instrumentalisiert werden kann und zu Angstpsychosen in der Bevölkerung führt. Dabei wird von sachlich argumentierenden Umweltforschungs-Instituten immer wieder bestätigt, dass die Feinstaubbelastung genau wie alle anderen luftbelastenden Faktoren kontinuierlich rückläufig ist. Auch die EU-Kommission hat in ihrer Halbzeitbilanz zum Weißbuch der Verkehrspolitik dem Verkehrsträger Straße bestätigt, dass inzwischen eine deutliche und kontinuierliche Reduzierung von Luftschadstoffen im Verkehr feststellbar sei.

Wie der Bundesverband Güterkraftverkehr Logistik und Entsorgung (BGL) mitteilt, hat das heimische Transportgewerbe dafür große Anstrengungen unternommen und in nachhaltige Fuhrparktechnologien investiert. Innerhalb von nur fünf Jahren wurde aufgrund moderner Motorentechnologien das Niveau der Partikelemissionen um 41 Prozent reduziert. Gleichfalls rückläufig waren die Emissionen bei Stickoxyden (-31 Prozent) und Kohlenwasserstoffen (-37 Prozent) sowie beim Kohlenmonoxyd (-45 Prozent). Die z. Zt. noch überwiegend eingesetzten EURO 3-Fahrzeuge emittieren nur noch ein Viertel der Partikelmenge, wie vergleichbare EURO 1-Fahrzeuge, die noch vor zehn Jahren zum höchsten technischen Umweltstandard im Lkw-Bau zählten. Eine weitere Senkung der Partikelwerte ist von der Einführung der Motorentechnologie gemäß der EURO 5-Norm zu erwarten. Auch hier ist das deutsche Transportgewerbe bereits mit hohen Ordereingängen bei der Industrie bemüht, die Fuhrparks noch vor Einführung der gesetzlichen Standards umzustellen.

Ist die Eisenbahn wirklich umweltfreundlicher?
Angesichts dieser überprüfbaren Entwicklung im Bereich des Verkehrsträgers Straße hegt der BGL große Zweifel gegenüber der Behauptung der EU-Kommission, dass die Eisenbahn z. B. im Bereich der CO2-Emissionen als „umweltfreundlicherer Verkehrsträger“ anzusehen sei. Die Bahn würde sogar auf nur noch zehn Prozent des Ausgangsniveaus zurückfallen. Der BGL kann sich eine solche Verbesserung jedoch nur vorstellen, wenn die Bahn für die Erzeugung ihres benötigten Stroms ausschließlich auf CO2-freie Energiequellen – d. h. auf Atomkraftwerke – umstellen und dabei gleichzeitig ihren gesamten Lok- und Waggonfuhrpark erneuern würde. Der BGL hält beide Vorstellungen jedoch angesichts der infrastrukturellen und investiven Möglichkeiten für die Eisenbahn sowie wegen des öffentlichen Widerstandes gegen einen Ausbau der Atomkraft für nicht umsetzbar. Kommentar des Bundesverbandes zur derzeitigen Umweltbilanz der Verkehrsträger: „Der Nimbus der Schiene als umweltfreundlicher Verkehrsträger ist in dem von der EU-Kommission verbreiteten Maß nicht haltbar!“

Lkw „Feinstaubteufel Nr. 1“
Der BGL ruft auch zum Thema „Feinstaubbelastungen“ zur Versachlichung auf. Seiner Ansicht nach besteht nach wie vor kein Anlass, den Lkw als „Feinstaubteufel Nr. 1“ zu erklären und mit Fahrverboten zu belegen. Städte, die aufgrund des Überschreitens der von Brüssel vorgegebenen Feinstaubwerte Straßensperrungen vorgenommen haben, mussten schnell erfahren, dass damit die Überschreitung der Grenzwerte nicht verhindert werden konnte. Umweltexperten gehen mittlerweile auch davon aus, dass Lkw-Fahrverbote nur zu einer vergleichsweise geringen Reduzierung der Feinstaubbelastungen führen könnten. Im Feinstaubplan für die Stadt Berlin wird z. B. nur eine Verringerung der Feinstaubbelastung um zwei Prozent angenommen, wenn der Lkw-Verkehr weitgehend ausgesperrt würde. Allerdings müsste die Bevölkerung in einem solchen Falle auch erhebliche Versorgungsschwierigkeiten ertragen. Auch die in München gewonnenen Erfahrungen belegen, dass ausgerechnet an Sonntagen die Feinstaubspitzenwerte gemessen wurden, obgleich wegen des bundesweiten Fahrverbots an Sonn- und Feiertagen in diesen Zeiträumen kein Lkw-Verkehr stattfand!

Die Umweltexperten geben als Grund für diese Messphänomene denn auch an, dass die in den Kommunen gemessenen Feinstäube bis zu drei Viertel aus dem Umland bzw. sogar aus dem kontinentalen Umfeld stammen. Überdies könnten meteorologische Ereignisse die Feinstäube selbst von jenseits des Ural oder aus Afrika in deutschen Städten und Gemeinden zum Niederschlag bringen und damit „Feinstaubalarm“ auslösen.

Deutsche Planungswut
Obgleich die EU-Kommission inzwischen ihre Feinstaubrichtlinie aufgrund der neuen wissenschaftlichen Erkenntnisse überarbeitet hat und dazu auffordert, Aktionismus und Verkehrsbeschränkungen zu unterlassen, planen die deutschen Stadtväter unverdrossen weitere Behinderungen des „Feinstaubteufels Nr. 1“. Die bereits eingeführte Plakettenregelung zur Kennzeichnung von Fahrzeugen kann jetzt genutzt werden, je nach Emissionsverhalten das Befahren von Innenstädten für den Lieferverkehr zu sperren. In Extremfällen wäre auch eine Totalsperrung von Innenstadtbereichen möglich, aber aufgrund der bisher gemachten Erfahrungen nach wie vor völlig wirkungslos.

Der BGL setzt statt auf Aktionismus auf die kontinuierliche Weiterentwicklung der Fahrzeugtechnologie. Immerhin haben die bereits eingeführten Fahrzeuge der EURO 4- und EURO 5-Klasse ihre Partikelemissionen gegenüber dem Ausgangswert von 1993 „am Auspuff“ auf nur noch fünf Prozent verringert. Fazit des BGL zur Feinstaubproblematik: „Es ist an der Zeit, diese außerordentlichen Fortschritte in der Umwelttechnologie moderner Verbrennungsmotore auch in der Öffentlichkeit zu würdigen, statt Panik mit fiktiven Zahlen zu „Feinstaubtoten“ zu verbreiten!“

Frankfurt am Main, den 13.10.06
  EMISSIONSINDEX-VERKEHR-1990-2003.PDF
  CO2-PROGNOSE-DER-EU-KOMMISSION-1990-2020.PDF

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