Bundesverband Güterkraftverkehr Logistik und Entsorgung (BGL) e.V.

Pressearchiv 2006

17.10.2006
Längere und schwerere Fahrzeugkombinationen – Zwischenbilanz des BGL

BGL. Frankfurt/M. – Die Internationale Automobilausstellung (IAA) Nutzfahrzeuge vergangenen Monats in Hannover sowie die Erteilung weiterer Ausnahmegenehmigungen in einzelnen Bundesländern für 25,25 m-Züge haben die Diskussion um die Erhöhung von Maßen und Gewichten für schwere Nutzfahrzeuge in Deutschland weiter belebt und auch polarisiert. Allerdings vermisst das deutsche Transportgewerbe nach wie vor ein europäisches Gesamtkonzept für „neue“ Fahrzeugkombinationen.

Die Gremien des Bundesverbandes Güterkraftverkehr Logistik und Entsorgung (BGL) konnten deshalb noch zu keinem abschließenden Votum kommen. Wichtige Entscheidungsparameter sind nach wie vor im Unklaren. Es besteht lediglich die Aussicht, dass laufende Fahrversuche die Grundlage für eine objektive Entscheidungsfindung bringen könnten. Der BGL-Vorstand hat dazu drei Hauptforderungen in den Mittelpunkt der Gewerbepolitik gestellt:

1. Effizienzgewinne im Landverkehr sind im Interesse der Kunden des Transport- und Logistikgewerbes. Dabei gilt es – soweit Effizienzgewinne durch geänderte Fahrzeugabmessungen und -gewichte angestrebt werden – die Multi-, Co- und Intermodalität der Verkehrsträger zu sichern und europafähige Lösungen umzusetzen. Nationale „Insellösungen“ werden durch das Transport- und Logistikgewerbe grundsätzlich nicht verfolgt, weil diese das Innovationsrisiko unkalkulierbar machen und dem Binnenmarkt entgegenstehen.

2. Der BGL-Vorstand fordert, dass Versuchsanordnungen und Ziele laufender Erprobungsversuche neuer Fahrzeugkonzepte, die von Standardmaßen und -gewichten abweichen, transparent gemacht und offengelegt werden. Dies gilt insbesondere für die fahrtechnischen sowie sicherheitsrelevanten Faktoren neuer Fahrzeugkonzepte. Anlage und Ergebnisse der Versuchsfahrten sind zudem in ihren betriebswirtschaftlichen Dimensionen zugänglich zu machen, um ggf. Effizienzgewinne zu quantifizieren und gewerbewirtschaftliche sowie gewerbepolitische Aspekte zu bewerten.

3. Der BGL-Vorstand erwartet, dass die von ihm öffentlich vorgetragenen Grundsatzfragen zum Einsatz geänderter Fahrzeugabmessungen und -gewichte in der Versuchsanordnung laufender Fahrversuche berücksichtigt werden, um schlüssige und allgemein verbindliche Erkenntnisse für Entscheider in Politik und Wirtschaft zu fördern. Dies gilt im besonderen Maße für fahrtechnische, sicherheitsrelevante und infrastrukturelle Themenstellungen, die maßgeblich über die einzelbetriebliche und volkswirtschaftliche Effizienz neuer Fahrzeugkonzepte entscheiden. In diesem Zusammenhang verweist der BGL darauf, den Dialog mit anderen Verkehrsteilnehmern nicht zu vernachlässigen, um den in der Öffentlichkeit erkennbar werdenden Vorbehalten mit objektiver Information zu begegnen. Ein breiter gesellschaftlicher Konsens ist unverzichtbar, wenn durch neue Fahrzeugkonzepte die ohnehin angeschlagene Akzeptanz des Lkw-Verkehrs in der Öffentlichkeit nicht weiter beeinträchtigt werden soll. Dies gilt im Übrigen auch für die Forderung, durch neu definierte Fahrzeugabmessungen und Höchstgewichte die Co-Modalität der Verkehrsträger und ihre Vernetzung zu verbessern, damit die optimale Arbeitsteilung der Verkehrsträger gestärkt wird.

Zusammenfassend stellt der BGL ferner fest: „Auf großes Interesse im Gewerbe sind die auf der IAA Nfz vorgestellten unterschiedlichsten Fahrzeugkonzepte gestoßen. Bis auf wenige Ausnahmen gilt, dass diese Konzepte nicht auf Modulkombinationen vorhandener Komponenten aufbauen. Sowohl bei Zugfahrzeugen als auch bei den Aufliegern und Anhängern wurden Fahrzeugkombinationen vorgestellt, die einen völligen Neuaufbau des heute gebräuchlichen Fuhrparks notwendig machen.“

Frankfurt am Main, den 13.10.06

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