Bundesverband Güterkraftverkehr Logistik und Entsorgung (BGL) e.V.

Pressearchiv 2006

17.10.2006
Müssen sich deutsche Transportunternehmen vom grenzüberschreitenden Verkehr verabschieden?

Transportleistung trotz wachsender Verkehrsnachfrage erstmals rückläufig

BGL. Frankfurt/M. – Das deutsche Transportgewerbe konnte seine wirtschaftliche Lage trotz Nachfragesteigerung nach Güterverkehrsleistungen auf deutschen Straßen 2005 kaum verbessern. Im Gegenteil: Beim Güteraufkommen mussten die deutschen Transporteure sogar einen Rückgang um 0,3 Prozent hinnehmen. Dagegen konnten ihre ausländischen Konkurrenten wieder ein deutliches Plus verbuchen: im grenzüberschreitenden Verkehr um 6,3 Prozent und im Binnenverkehr innerhalb Deutschlands – dem so genannten Kabotageverkehr – sogar um 14,1 Prozent. Kaum anders sieht es bei der Transportleistung auf deutschen Straßen aus: Die ausländische Konkurrenz erhöhte ihre tonnenkilometrische Leistung auf deutschen Straßen im grenzüberschreitenden Verkehr um 5,7 Prozent und im Kabotageverkehr um 18 Prozent. Deutsche Transportunternehmen erreichten lediglich einen Zuwachs von 1,8 Prozent.

Im grenzüberschreitenden Güterverkehr mit deutschen Lkw kam es, nach Angaben des Bundesamtes für Güterverkehr (BAG), im vergangenen Jahr – trotz einer Mengensteigerung um vier Prozent auf 135,3 Mio. Tonnen – sogar erstmals zu einem Rückgang der Verkehrsleistung um 1,2 Prozent auf 34,4 Mrd. Tonnenkilometer. Zurückzuführen ist dies auf eine Abnahme der durchschnittlichen Transportentfernung deutscher Lkw auf 515 Kilometer. Das Bundesamt führt dies auf den zunehmenden Einsatz von osteuropäischen Unternehmen – speziell auf langen Strecken – zurück.

Diese Entwicklungen haben zur Folge, dass die ausländischen Transportunternehmen ihren Marktanteil an der auf deutschen Straßen erbrachten Transportleistung auf nunmehr 31 Prozent ausbauen konnten. Fazit des Bundesverbandes Güterkraftverkehr Logistik und Entsorgung (BGL): „Aufgrund der immer wieder verschobenen Umsetzung der bereits mehrfach zugesagten Angleichung der fiskalischen Wettbewerbsbedingungen im europäischen Güterverkehr hat sich die Verdrängung deutscher Anbieter von internationalen ebenso wie von heimischen Verkehrsmärkten durch gebietsfremde Transportunternehmen damit weiter fortgesetzt“.

Wie attraktiv im Übrigen der deutsche Verkehrsmarkt für ausländische Transportunternehmen ist, belegt eine im Auftrag der EU-Kommission durchgeführte Studie über die EU-Kabotage aus dem Jahr 2004. Danach wurden 27 Prozent der Transportleistung im EU-Kabotageverkehr allein auf deutschen Straßen erbracht.

Das BAG bestätigt die Erkenntnisse des BGL, dass es für deutsche und andere westeuropäische Unternehmen nach wie vor sehr schwierig ist, Transportaufträge in den EU-Beitrittsländern in Ost- und Mittelosteuropa zu akquirieren. Dem Bundesamt zufolge lag der Marktanteil gebietsfremder Unternehmen am Güterverkehr mit den mittel- und osteuropäischen Staaten bereits vor der EU-Erweiterung bei rd. 90 Prozent und hat sich seitdem „auf leicht erhöhtem Niveau verstetigt!“ Verantwortlich dafür macht das Bundesamt vor allem die unterschiedlichen Kostenstrukturen der in- und ausländischen Transportunternehmen. Daher würden vor allem ausländische Konkurrenten am Wachstum des grenzüberschreitenden Güterverkehrs partizipieren. Für deutsche Transportunternehmen blieben lediglich Zuwächse bei der verstärkten Übernahme von Werkverkehren, die das BAG u. a. auf die Auswirkungen der Lkw-Mauteinführung in 2005 zurückführt. Auf den Modal-Split der Verkehrsträger hatte die Lkw-Maut hingegen keinen merklichen Einfluss. Laut BAG hat sie „entgegen verschiedentlich geäußerten Erwartungen bislang noch keine größeren Verlagerungen des Güterverkehrs auf die Schiene bewirkt“.

Frankfurt am Main, den 13. 10. 06
  ANTEILE AUSLÄNDISCHER LKW AM GÜ-VERKEHR.PDF

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