Bundesverband Güterkraftverkehr Logistik und Entsorgung (BGL) e.V.

Pressearchiv 2004

12.10.2004
Wer rettet das Weltklima?

BGL. Frankfurt/M. – Anlässlich seiner Mitgliederversammlung 2004 in Magdeburg nimmt der Bundesverband Güterkraftverkehr Logistik und Entsorgung (BGL) e.V. qualifiziert Stellung zum Thema Klimakollaps. Beim Verfolgen der verkehrs- und umweltpolitischen Diskussion ist immer wieder der Eindruck zu gewinnen, dass „Unser Klima“ nur noch dann zu retten sei, wenn massive Verkehrsverlagerungen von der Straße auf Schiene und Binnenschiff erzwungen würden, koste es was es wolle. Dieser Ursache-Wirkungs-Zusammenhang ist jedoch in nachvollziehbarer Weise nicht gegeben. Verlagerungsmaßnahmen im Verkehrsbereich erbringen lediglich Minderungen an Treibhausgasemissionen, die nicht als klimarelevant einzustufen sind. Zudem ist das Problem nicht national zu lösen. Prof. Mojib Latif vom Kieler Institut für Meereskunde bringt es auf den Punkt: Selbst wenn Deutschland insgesamt seine CO2-Emissionen um 100 % senken würde, wäre dies für das Weltklima irrelevant. Diese Aussage wird um so plausibler, wenn man den deutschen Anteil an den weltweiten CO2-Emissionen betrachtet (siehe Grafik „Anteile an den weltweiten CO2-Emissionen von fossilen Brennstoffen im Jahre 2000“): Er lag im Jahre 2000 bei gerade einmal 3,6 % und dürfte in der Zwischenzeit noch weiter gesunken sein, da z.B. Chinas Wirtschaftsboom zu einem bedeutenden Anstieg der dortigen CO2-Emissionen geführt hat.

Zu beachten ist, dass der von Deutschland ausgehende Anteil von CO2-Emissionen im Verkehrsbereich selbst bei extremen Verkehrsverlagerungen, sowohl von der Straße auf die Schiene als auch umgekehrt, kaum einen erkennbaren Einfluss auf die globalen Emissionen hat.[1] Grundsätzlich gilt festzuhalten:[2] 

Selbst wenn die für das Jahr 2015 im „Verkehrsbericht 2000“ des Bundesministeriums für Verkehr, Bau- und Wohnungswesen (BMVBW) prognostizierten Verkehrsverlagerungen von der Straße auf die Schiene bereits heute realisiert werden könnten, wären die CO2-Emissionen in Deutschland nur um 1,3 % niedriger und lägen dann bei 859,4 Mio. t. 

Würde die Bahn ihre Verkehrsleistungen ganz einstellen, wären die gesamten CO2-Emissionen in Deutschland mit 889,4 Mio. t maximal um 2,1 % höher. Der Personenverkehr der Bahn würde dann komplett durch den Pkw und der Güterverkehr durch den Lkw ersetzt. Falls jedoch der Personenverkehr komplett auf Busse verlagert würde denen die DB AG selbst gegenüber der Bahn einen Vorteil in der CO2-Bilanz beimisst – würden sich die gesamten CO2-Emissionen in Deutschland sogar nur um marginale 0,9 % auf 878,8 Mio. t erhöhen.

Der BGL stellt klar, dass in einer gesamtwirtschaftlich extrem angespannten Situation zu hinterfragen ist, welches klimapolitische Kosten/Nutzen-Verhältnis Milliardeninvestitionen in die Verkehrsinfrastruktur zu Grunde liegt, wenn im Erfolgsfalle nicht einmal ein halbes Promille der weltweiten CO2-Emissionen vermieden würde. Mit Modal-Split-Änderungen ist das Weltklima jedenfalls nicht zu retten. Nur der sinnvolle und rationelle Einsatz der immer knapper werdenden Mittel kann den Wirtschaftsstandort Deutschland nach vorne bringen. Für Verkehrsinvestitionen bedeutet dies, dass sie einer Effizienzsteigerung in vernetzten Verkehrsträgersystemen zu dienen haben, während das klimapolitische Argument zur Rechtfertigung von Milliarden Zuwendungen aus Steuermitteln als reiner Ökoprotektionismus marktfern agierender Eisenbahnverwaltungen einzustufen ist.

Frankfurt, den 8. Oktober 2004
  KLIMASCHUTZ.PDF

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