Bundesverband Güterkraftverkehr Logistik und Entsorgung (BGL) e.V.

Pressearchiv 2004

12.10.2004
Insolvenzwelle im Transportgewerbe

BGL. Frankfurt/M. – Seit Einführung der ersten gesamtdeutschen Wirtschafts-Statistik im Jahre 1991 nimmt das deutsche Transportgewerbe in einem Bereich laufend „Spitzenplätze“ im Branchenvergleich ein: bei der Registrierung von Firmenzusammenbrüchen. Während die Zahl der Insolvenzen im Bereich Straßenverkehr/Spedition und Lagerei von 1991 bis 2004 um 432 Prozent zunahm, erhöhten sich die Insolvenzfälle in der gesamten Wirtschaft „nur“ um 351 Prozent.

„Sargnagel“ Ökosteuer

Die Insolvenzwelle im Transportgewerbe rollt vor allem seit Einführung der sogenannten Ökosteuer-Reform ab 1. April 1999. Die in fünf Stufen bis zum 1. Januar 2003 laufend gestiegene Ökosteuer führte zu einem kontinuierlichen Anwachsen der Konkurse im Straßengüter- und Speditionsgewerbe von 489 im 1. Halbjahr 1999 bis 958 im 1. Halbjahr 2003. Mit 926 Firmenzusammenbrüchen im 1. Halbjahr 2004 ist die Insolvenzwelle im Transportgewerbe kaum abgeflacht.
Existenzvernichtend wirkt sich für deutsche Transportunternehmen die Problematik aus, Kostenbelastungen - seien es Ökosteuer oder Treibstoffpreissteigerungen - auf den Kunden zu überwälzen. Grund: die ausländische Konkurrenz muss die Ökosteuer auf Dieselkraftstoff in Deutschland durch Tanken im Heimatland nicht entrichten und alle EU-Anrainerstaaten an Deutschland fordern geringere Preise an den Zapfsäulen. Zudem gibt es zusätzliche Wettbewerbsverzerrungen im fiskalischen Bereich, die die Konkurrenz weiter verschärfen.

Mit Diesel in den Ruin

Da die Kraftstoffkosten in einem Transportunternehmen bis zu 30 Prozent der Gesamtkosten ausmachen, hat auch der in diesem Jahr zu beobachtende rasante Anstieg der Preise für Dieselkraftstoff die wirtschaftliche Lage der Branche merklich weiter verschlechtert. Innerhalb von weniger als acht Monaten kletterte der Dieselpreis an den Zapfsäulen für Großverbraucher um 14 Prozent. Damit verteuerte sich zugleich die Leistungserstellung durch die Transportunternehmen um ca. vier Prozent. Bei einer durchschnittlichen Umsatzrendite von weniger als einem Prozent in der Branche sind die von dieser Kostenexplosion betroffenen Betriebe nicht mehr in der Lage, diese Entwicklung durch innerbetriebliche Maßnahmen aufzufangen. Eine Weitergabe der Kraftstoffpreissteigerungen ist für viele Unternehmen als existenzielle Herausforderung zu sehen.

Frankfurt, den 8. Oktober 2004
  INSOLVENZWELLE.PDF

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