Bundesverband Güterkraftverkehr Logistik und Entsorgung (BGL) e.V.

Pressearchiv 2003

29.09.2003
Wie viele Wahrheiten zum Einbau von Mauterfassungsgeräten gibt es eigentlich?

BGL. Frankfurt/M. – „Gibt es nun eigentlich zu viele oder zu wenig onboard-units zur Mauterhebung“, mag sich derzeit so mancher Zeitungsleser fragen.

Zur „Klärung“ dieser Frage einige Zitate aus dem Hause TollCollect: „Die Zahl der Spediteure, die sich für das automatische Verfahren interessiert, entsprich der Anzahl an OBUs, die wir bis November zur Verfügung stellen können.“ (Zitat 15.8.). „Der Mautstart musste kurzfristig verschoben werden, weil die Nachfrage nach dem Maut-Abrechnungsgerät im Lkw, der On-Board-Unit, die mit dem Bundesverkehrsministerium abgestimmte Anzahl bei weitem überstieg“ (Zitat 6.9.). „Das Problem ist mittlerweile eher, dass viele Unternehmer sich lange zurückgehalten haben und erst in letzter Sekunde bestellen“ (Zitat 8.9.). „Es fehlen noch über 100 000 Bestellungen.“ (Zitat 9.9.).

Was denn nun, fragt sich der interessierte Leser. Nur eines scheint wahr: das deutsche und das ausländische Transportgewerbe, das doch die OBUs braucht, ist schuld an der OBU-Misere: entweder weil es zu wenig OBUs nachgefragt hat oder auch zu viel oder jetzt wieder zu wenig …

Stopp! Da gibt es noch eine andere Wahrheit: Die Wirklichkeit in deutschen Lkw-Unternehmen. Bei denen hat der Bundesverband Güterkraftverkehr Logistik und Entsorgung (BGL) e. V. in den letzten Tagen konkret nachgefragt, wie es denn nun tatsächlich um Einbau und Funktionsfähigkeit von OBUs bestellt ist. Eine erste Auswertung von 500 befragten Unternehmen (Stand Mitte September – der Zustrom an ausgefüllten Fragebögen hält noch an) zeigt folgendes Bild: Von 6500 bestellten OBUs sind weniger als 40 % (!) inzwischen eingebaut. Von diesen eingebauten OBUs laufen wiederum weniger als 20 % stabil. Mit anderen Worten: 15 OBU-Bestellungen führten bislang zu einem fehlerfrei funktionierenden Gerät! Die Rangliste der Funktionsstörungen sieht je nach Gerätetyp sehr unterschiedlich aus: Häufigste Störung bei Grundig-Geräten: Gerät meldet „mautfrei“, obwohl eine mautpflichtige Autobahn befahren wird. Häufigster Fehler bei Siemens-Geräten: für eine mautfreie Strecke werden Gebühren berechnet. Weitere „Renner“: die berechneten Mautgebühren/erfassten Kilometer sind falsch, Geräte fallen aufgrund von Spannungsschwankungen aus usw. Wo liegt denn nun die Wahrheit? Beim Anbieter, der sich vertraglichen Zwängen gegenübersieht, ein fehlerfreies System anzubieten oder bei den Anwendern, die auf ein funktionierendes System angewiesen sind?

Frankfurt am Main, den 29. September 2003

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