Bundesverband Güterkraftverkehr Logistik und Entsorgung (BGL) e.V.

Pressearchiv 2003

05.06.2003
"Unterwegs nach morgen"

BGL-Gemeinschaftsstand auf der "transport logistic 2003"

BGL. Frankfurt/M. - Der Bundesverband Güterkraftverkehr Logistik und Entsorgung (BGL) e. V. war auf der Fachmesse „transport logistic 2003“ wieder mit einem Gemeinschaftsstand vertreten. In der Halle A5 präsentierten sich nicht nur der BGL, die Straßenverkehrsgenossenschaften und der Transportversicherer KRAVAG mit Ihren einzelnen Dienstleistungsbereichen dem Messebesucher, sondern auch der Landesverband Bayerischer Transport- und Logistikunternehmen (LBT) und neun weitere Unternehmen mit ihren Spezialangeboten. Diese stellten nicht nur praxisbezogenen Kalkulationshilfen für die künftige Lkw-Maut zur Verfügung und boten Fernüberwachungsmodule für Telematikanwendungen an, sondern zeigten auch, wie mit Spezialfahrzeugen knifflige Transportaufgaben bewältigt werden können. Das Fachpublikum wurde außerdem über Verpackungstechniken und die richtige Wahl der Transportmittel informiert und lernte das Know How für den Transport flüssiger Chemikalien oder die City-Logistik kennen. Eine technische Messeneuheit soll Reifenpannen vorbeugen und eine bundesweit tätige Unternehmensgruppe bewies, wie die Zusammenarbeit von über 50 Unternehmen Früchte tragen kann.

Gute Medienresonanz

Da die Entscheidung über die Höhe und Ausgestaltung der streckenbezogenen Lkw-Maut im Bundestag bzw. im Bundesrat in die Messewoche fiel, waren die Vertreter des deutschen Güterkraftverkehrsgewerbes in München besonders gefragte Gesprächspartner von Presse, Rundfunk und Fernsehen. Sie hatten u.a. Gelegenheit, auf zwei Foren zur Lkw-Maut Stellung zu nehmen. So konnte der Vorstandsvorsitzende des Fachverbandes Güterkraftverkehr und Logistik Hessen, Claus O. Herzig, bereits auf einem Fachforum der „Verkehrs-Rundschau“ und des DKV Euroservice am 21. Mai 2003 die vom Vermittlungsausschuss Bundesrat/Bundestag erarbeiteten Kompromisse kommentieren. Herzig zeigte sich, wie seine auf dem Forum anwesenden Fachkollegen, von diesem Verhandlungsergebnis tief enttäuscht und sprach davon, dass die Verkehrspolitiker aller Couleur das Transportgewerbe „in die Pfanne gehauen“ hätten. Statt der zugesagten Steuerharmonisierung beginne nun die Abzocke der Unternehmer. Herzig räumte auf dem Forum mit der Illusion auf, dass die Lkw-Maut Güterverlagerungseffekte für die Bahn erzeugen könnte. Er verwies auch auf die Wettbewerbsvorteile der ausländischen Transportunternehmer und die für die Berechnung der Maut bei Vollast, Teillast und dem Leerkilometer-Anteil entstehenden Probleme. Von der Absenkung der Kfz.-Steuer und den vage in Aussicht gestellten Investitionsprogrammen zur Förderung umweltfreundlicher Transporte versprach sich der hessische Verbandsvertreter keine merkliche Entlastung für die Transportunternehmen. Durch den Zusammenbruch vieler mittelständischer Unternehmen könnten auch viele Logistikketten reißen, warnte Herzig. Er machte seinen Kollegen aber auch mit der chinesischen Interpretation des Wortes „Krise“, Mut: es enthalte sowohl das Wortteil Risiko als auch den Hinweis auf eine Chance!

Das BGL-Präsidium und die Hauptgeschäftsführung des Bundesverbandes waren auf einem weiteren Forum mit dem Thema „Lkw-Maut-Tipps für die Praxis“ am 23. Mai 2003 auf der Messe vertreten. Träger dieser Veranstaltung waren die DVZ Deutsche Logistik-Zeitung, der BGL und die Betreibergesellschaft für die streckenbezogene Lkw-Maut, Toll-Collect. Am Tag der endgültigen Verabschiedung der Lkw-Maut durch den Bundesrat machte Hauptgeschäftsführer Prof. Dr. Karlheinz Schmidt den Messebesuchern klar, dass diese Maut bereits im ersten Jahr ihrer Einführung eine Verdoppelung der Insolvenzen in der Transportbranche nach sich ziehen dürfte. Für die nächsten drei Jahre rechnet Prof. Dr. Schmidt mit dem Wegbrechen von über 100.000 Arbeitsplätzen am Logistikstandort Deutschland. Die von den Verkehrspolitikern beschlossene Reduzierung der durchschnittlichen Mauthöhe auf 12,4 Cent pro Kilometer nannte der BGL-Hauptgeschäftsführer eine „Mogelpackung“ von der die Unternehmen nichts hätten, weil die versprochene Angleichung der Fiskalbelastungen im europäischen Wettbewerb trotz Zusage der Bundesregierung sowie der CDU/CSU-regierten Länder noch ausbleibe. Den vom Vermittlungsausschuss ausgehandelten Kompromiss, über die EU-Kommission im Laufe der nächsten Zeit doch noch zu einer Harmonisierung der fiskalischen Belastungen zu gelangen, nannte Schmidt wörtlich „einen Drahtseilakt bei Windstärke 12!“ Er konnte den Messebesuchern anhand von Schautafeln eindrucksvoll die schlechte Ausgangslage für die Unternehmerschaft belegen und machte darauf aufmerksam, dass auch die mittelständischen Verlader in den ländlichen Regionen davon betroffen sein dürften. Die bereits von österreichischen Verkehrsbehörden in Aussicht gestellte drastische Erhöhung ihrer nationalen Lkw-Maut dürfte seiner Ansicht nach zu weiteren einschneidenden Standortveränderungen im Herzen Europas führen.

Prof. Dr. Schmidt wurde in seiner Argumentation bei der anschließenden Diskussionsrunde von BGL-Präsident Hermann Grewer und dem bayerischen Transportunternehmer Toni Betzmeir, Hollenbach, unterstützt, die das Problem der Kostenüberwälzung auf einem Verkehrsmarkt zu lösen haben, der der ausländischen Konkurrenz mit ihren staatlicherseits oftmals angebotenen Steuersubventionen offen steht. Der Gießener Verkehrswissenschaftler, Prof. Dr. G. Aberle, hatte ihnen bereits zuvor durch seinen Vortrag über die Steuersystematik ausreichend Argumente für ihre ablehnende Haltung zur aktuellen Ausgestaltung der Lkw-Maut geliefert. Aberle konnte nachweisen, dass es z.Zt. nur um eine Finanzbeschaffungsaktion von Bund und Ländern gehe, die zu keinerlei Verkehrsverlagerungen auf die Schiene führt und die ausländischen Transportunternehmen begünstigt. Er stellte auch die gesamte juristische Absicherung des Mautkonstrukts in Frage, da sie einerseits als Gebühr ausgewiesen wird aber als Steuer behandelt werden soll.

Die Meinung des deutschen Güterkraftverkehrsgewerbes war auch auf den Gesprächsforen einzelner Messeaussteller wie z.B. dem Aufbautensteller, Fahrzeugwerke Kögel, gefragt. Dabei konnte der Leiter der Unternehmensberatung der SVG-Zentrale, Klaus-P. Niehoff, den Vertretern der Kfz-Industrie und den Messebesuchern mit eingängigen Berechnungsbeispielen klarmachen, mit welchen erheblichen Kostenbelastungen Verlader und Transportunternehmen in Zukunft zu rechnen haben. Das bereits traditionelle „rote Sofa“ auf dem Stand der DVZ Deutsche Logistik-Zeitung bot auch zwei Mitausstellern des BGL-Gemeinschaftsstandes Gelegenheit, die Herausforderungen des EU-Verkehrsmarktes aus ihrer Sicht den Messebesuchern und den Medien zu erläutern. So konnte die Geschäftsführerin der Unternehmensgruppe S.T.a.R.-Kooperation, Elke-Antje Stark aus Homberg/Efze in Hessen, darüber berichten, dass ihre über 50 Partnerunternehmen künftig mit Kostensteigerungen von rd. 17 Prozent kalkulieren müssten. Ihr Diskussionspartner auf dem DVZ-Sofa, Kai Ihro, Geschäftsführer eines Familienunternehmens mit Spezialtransportern aus Neuenstein in Nordwürttemberg, drückten ebenfalls die drastischen Kostenerhöhungen und die Sorge, diese nicht auf dem Markt durchsetzen zu können. Die von der Unternehmensgruppe und dem Familienunternehmen bisher geführten Marktgespräche lassen eine noch unsichere Haltung der Verladerschaft erkennen. S.T.a.R.-Chefin Stark und Kai Ihro hoffen, dass die bereits durch die Konkurswelle im Gewerbe erzeugte Verknappung des Laderaumangebots die Einsicht bei den Auftraggebern wachsen lässt, einen verlässlichen Logistikpartner auch mit auskömmlichen Preisen arbeiten zu lassen.

Frankfurt am Main, den 05. Juni 2003
  TRANSPORT_LOGISTIC_2003.PDF

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