Bundesverband Güterkraftverkehr Logistik und Entsorgung (BGL) e.V.

Pressearchiv 2000

06.11.2000
Kombiverkehr in der Konsolidierungsphase

Mit der Eisenbahn ist noch kein "Staat" zu machen

BGL. Frankfurt/M. – Der Bundesverband Güterkraftverkehr Logistik und Entsorgung (BGL) ist auf seiner Mitgliederversammlung in Bremen der in verkehrspolitischen Kreisen immer wieder aufgestellten Behauptung entgegen getreten, mit der Eisenbahn könne "Staat" gemacht werden, um zu einer wesentlichen Entlastung der Straßen vom Güterverkehr beizutragen. Der BGL nennt diese Annahme eine "überaus trügerische Hoffnung", weil die europäischen Bahnen derzeit weder qualitativ noch quantitativ die Anforderungsprofile moderner Dienstleistungsunternehmen erfüllten.

Die deutsche Bahn biete z.B. in ihrem "Schwarzen Netz" zur Bedienung der Fläche eine Systemgeschwindigkeit von unter 15 Stundenkilometern an. Da unkalkulierbare Aufenthalte und Waggonlaufzeiten von mehreren Tagen üblich seien, scheide dieses Dienstleistungsangebot wohl für den Verkehrsmarkt aus.

Ein "Lichtblick" sei dagegen das neue Netz im nationalen Kombiverkehr, das sich allein an Nutzeransprüchen orientiere. Zwischen ca. 50 ausgewählten Terminalstandorten, die über ein relationsbezogenes Mengenaufkommen verfügten, seien getaktete Ganzzugverbindungen eingerichtet worden.

Da diese Züge ohne Umstellungen und zeitaufwendige Rangiervorgänge liefen, könne von einem marktfähigen Angebot gesprochen werden. Angesichts der bevorstehenden Osterweiterung der Europäischen Gemeinschaft und dem damit verbundenen Zuwachs der Güterbeförderungen auf den Straßen warnte der BGL in Bremen jedoch davor, in der wünschenswerten Förderung des kombinierten Verkehrs Schiene/Straße mehr als nur eine "Bypassfunktion" zu sehen.

Der Kombiverkehr habe im vergangenen Jahr mit 30,6 Mio. t weniger als ein Prozent der gesamten Verkehrsmenge auf den Straßen übernommen. Der Straßengüterverkehr habe dagegen im gleichen Zeitraum 3,43 Mrd. t bzw. 85 Prozent der Gütermenge befördert. Selbst unter Zugrundelegung optimistischer Prognosen, die von einem Wachstum im kombinierten Verkehr um 30 Mio. t bis zum Jahr 2010 ausgehen, könnte der Huckepacktransport von LKW auf der Schiene nur knapp von einem Prozent auf zwei Prozent Marktanteil zulegen.

Der BGL verwies in diesem Zusammenhang auch auf die von der Deutschen Bahn 1999 beförderte Gütermenge in Höhe von 287,9 Mio. Tonnen, die bei weitem nicht die Ansprüche der Wirtschaft und Verbraucher an eine flächendeckende Versorgung abdecken könnten.

Der Bundesverband konnte neben der Statistik in Bremen als weiteren "Zeitzeugen" für das "Wunsch- und Wolkedenken" der deutschen Verkehrspolitik auch die sogenannte Pällmann-Kommission zur Überprüfung der Verkehrsinfrastrukturfinanzierung benennen. Diese habe u.a. festgestellt, dass selbst eine Verlagerung des mittleren Zuwachses der Güterverkehrsleistungen auf Bundesfernstraßen innerhalb eines Jahres auf die Schiene bereits an die Kapazitätsgrenzen der Bahn stoßen würde.

Die Kommission habe sich die Frage gestellt, wie viel Bahn sich die Bundesrepublik noch leisten wolle und könne. Angesichts der nach wie vor hohen Mittelzuweisungen für das System Schiene – die sich derzeit seit der Bahnreform im Jahre 1994 auf 198 Mrd. DM (103 Mrd. für DB und 95 Mrd. DM für Bundeseisenbahnvermögen) summierten und den knappen öffentlichen Kassen - sei es nicht länger vertretbar, immer mehr Geld in Schienenprojekte, ohne Erfolgskontrolle, zu stecken, betont der BGL.

Alleine die aus dem Ruder gelaufenen Mehrkosten bei Großprojekten würden ein bezeichnendes Licht auf die Kostenfalle der Bahn werfen. Die damit verbundenen Korruptionsvorwürfe bei der Auftrags- und Materialbeschaffung würden darüber hinaus einen "äußerst degoutanten Beigeschmack" ergeben, wenn Bahnsprecher unter dem "Ökodeckmantel" zusätzliche Mittel zur "Herstellung der Kostenwahrheit gegenüber dem LKW" forderten.

Die Bahn bleibe somit weiterhin Kostgänger des Steuerzahlers. Die Straßenverkehrsnutzer würden sich dagegen als immer stärker sprudelnde Finanzquelle für den Staatshaushalt erweisen. Allein im vergangenen Jahr habe der Straßenverkehr die ihm anlastbaren Ausgaben für das Straßenwesen um rd. 52 Milliarden DM überdeckt. Der BGL sieht denn auch in den "Verteuerungsszenarien" für die Straße kein echtes "Verlagerungsszenario auf die Schiene", sondern ein Notprogramm für die Bahn.

Die Folge seien Arbeitsplatzverluste im Gewerbe und Störungen der Wirtschaftsintegration in Europa, die stark von der Mobilität auf den Straßen abhängig ist.

Frankfurt am Main, den 06. November 2000
  PU20001106100000179_ATT1.PDF

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